
Wie Stadtgrün und Wassermanagement das Klima in Kommunen verbessern
In dieser Angemischt-Folge geht es um grüne Infrastruktur in Kommunen: Wie Stadtgrün und Wassermanagement in Innenstädten geplant, gebaut und gepflegt werden. Gesprächspartner ist Prof. Martin Thieme-Hack von der Hochschule Osnabrück, früher selbst im Garten- und Landschaftsbau tätig, heute in Forschung und Planung aktiv.
Stadtgrün als „Klimamaschine“ und wie es verloren ging
Historische Parks wie Hyde Park, Central Park oder der Berliner Tiergarten wurden bewusst angelegt, um Luft und Stadtklima zu verbessern. Grünflächen sollten Feinstaub binden und die stark belastete Luft in Industriestädten erträglicher machen.
Mit den 60er- und 70er-Jahren habe sich diese Haltung geändert: Industrie wurde sauberer oder zog aus den Innenstädten heraus, und Grün wurde mehr und mehr durch „pflegeleichte“ Lösungen ersetzt. Schottergärten, Pflasterflächen und Vollversiegelung gewannen an Bedeutung mit den bekannten Folgen für Hitze und Aufenthaltsqualität.
Bebauungspläne, Schottergärten und politische Entscheidungen
Ein zentraler Teil der Folge dreht sich um die Frage, wie grüne Infrastruktur in Kommunen gesteuert wird. Prof. Thieme-Hack beschreibt Bebauungspläne als wichtiges Werkzeug: Hier wird festgelegt, ob Schottergärten zugelassen sind, welche Grünanteile vorgesehen werden und ob Straßenbäume verpflichtend sind.
Er erzählt von Kommunen, die Schottergärten inzwischen verbieten oder Dachbegrünung fördern, aber auch von Fällen, in denen frühere Grünflächen in dunkle, stark aufgeheizte Plätze umgebaut wurden. Dazu kommen Beispiele aus Osnabrück, wo Anwohner gegen kleinbleibende Straßenbäume protestiert haben, ein Hinweis darauf, dass politische Rückendeckung und Aufklärung für grüne Infrastruktur Kommunen eine große Rolle spielen.
Fördermittel und die schwierige Frage der Pflege
Großen Raum nimmt das Thema Finanzierung ein. Viele Projekte rund um grüne Infrastruktur Kommunen entstehen über Bundesförderprogramme. Der Bau und teilweise die ersten Jahre der Entwicklungspflege werden gefördert, danach müssen die Kommunen die Pflege selbst tragen.
Prof. Thieme-Hack stellt klar: Grün ist keine Pflichtaufgabe, die Flächen werden mehr, die Budgets bleiben gleich. Servicebetriebe und Bauhöfe müssen immer größere Bereiche pflegen, ohne dass entsprechend mehr Geld zur Verfügung steht. Ein neues Programm zur Optimierung der Grünflächenpflege inklusive EDV, Schulung und naturnäherer Umgestaltung – sieht er als wichtiges Signal, Pflege stärker mitzudenken.
Dachbegrünung, unterbaute Flächen und Fassaden
Im technischen Teil der Folge geht es um konkrete Bausteine der grünen Infrastruktur Kommunen:
- Dachbegrünung: Seit Jahrzehnten technisch ausgereift, mit deutlichen Effekten bei Wasserrückhaltung und Kühlung, gerade auf Hallen, Logistikbauten und Wohngebäuden. Prof. Thieme-Hack wundert sich, dass große Flachdach-Projekte oft noch ohne verpflichtende Begrünung genehmigt werden.
- Unterbaute Flächen: Flächen über Tiefgaragen oder anderen Bauwerken bewertet er als wichtige Chance, in verdichteten Innenstädten Aufenthaltsbereiche und Grün zu schaffen. Wege, Sitzbereiche und Bepflanzungen lassen sich hier gut kombinieren.
- Fassadenbegrünung: Sichtbar und prestigeträchtig, aber über den Lebenszyklus sehr aufwendig und teuer. Er beschreibt sie als Statussymbol, das immer häufiger genutzt wird, bleibt aber bei der Bewertung insgesamt vorsichtig.
Rasenforschung und Stadtklima
Zum Abschluss stellt Prof. Thieme-Hack das Kompetenzzentrum Rasenforschung Osnabrück vor. Dort untersucht er mit seinem Team unter anderem, wie Naturrasen und Kunststoffrasen auf das Stadtklima wirken. Messungen zeigen, dass Naturrasenflächen deutlich kühler sind und als Kühlinseln fungieren, während Kunststoffrasenplätze zu Temperatur-Hotspots werden.
Er betont zugleich, dass Kunststoffrasen aus Nutzungsgründen – etwa für den Spielbetrieb im Winter – vielerorts bleibt. Für grüne Infrastruktur Kommunen bleibt Naturrasen dennoch ein wichtiger Faktor, wenn es um Kühlung und Aufenthaltsqualität geht.
Die Folge führt dich kompakt durch die Themen, die grüne Infrastruktur Kommunen heute prägen: historische Stadtparks, der Trend zu „pflegeleicht“ und Schotter, politische Steuerung über Bebauungspläne, Förderlogik und Pflegeprobleme, Dach- und Intensivbegrünung sowie die Rolle von Rasenflächen im Stadtklima. Wenn du den gesamten Weg vom historischen Park bis zur Rasenforschung nachvollziehen möchtest, lohnt es sich, die komplette Folge zu hören.
Der Gast

Prof. Martin Thieme-Hack
Prof. Martin Thieme-Hack ist Professor für Bodenwissenschaften und Vegetationstechnik an der Hochschule Osnabrück und vereint Praxiserfahrung im Garten- und Landschaftsbau mit seiner heutigen Tätigkeit in Forschung und Lehre. Sein Schwerpunkt liegt auf nachhaltigen Konzepten für Stadtgrün, Wassermanagement und klimaresiliente urbane Räume.
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