
Werker-Ausbildung im GaLaBau:
Eine Chance für deinen Betrieb – ganz praktisch gedacht
Auf vielen Baustellen sieht es ähnlich aus: Dir fehlt an manchen Tagen einfach ein verlässlicher Mensch mehr im Team. Jemand, der anpackt, Schritt für Schritt dazulernt und nicht gleich „voll ausgebildete Fachkraft“ sein muss, um einen echten Unterschied zu machen. Genau hier kann die Werker-Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau für deinen Betrieb spannend werden.
Hier erfährst du, was eine Werker-Ausbildung ist, wie sie aufgebaut ist und vor allem, wie du als Garten- und Landschaftsbaubetrieb ganz konkret davon profitieren kannst.
Was ist eine Werker-Ausbildung im GaLaBau?
Die Werker-Ausbildung ist eine anerkannte, theoriereduzierte Ausbildung für junge Menschen, die praktisch stark sind, aber mit der klassischen Berufsschule Schwierigkeiten haben. Das können Jugendliche mit Lernschwächen, ADHS, Autismus oder auch einfach „verkorkster“ Schulbiografie sein. Wichtig ist: Sie wollen arbeiten, sie wollen in den Beruf – nur der übliche, sehr theoretische Weg passt oft nicht.
Inhaltlich orientiert sich die Werker-Ausbildung am Berufsbild der Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner. Die Auszubildenden lernen:
- Flächen befestigen
- Terrassen und Wege anlegen
- pflanzen, pflegen und schneiden
- mit typischen Maschinen und Geräten umgehen
Der Unterschied zur Vollausbildung liegt vor allem in der Theorie. Berufsschulstoff wird gezielt reduziert und praxisnäher aufbereitet. Statt seitenlang botanische Namen auswendig zu lernen, liegt der Fokus auf einer überschaubaren Anzahl relevanter Pflanzen. In Mathe geht es um das, was du auf der Baustelle brauchst: Flächen, Kubaturen, Materialmengen – nicht um abstrakte Aufgaben, die mit deinem Alltag nichts zu tun haben.
Das Ziel ist nicht, „weniger wert“ auszubilden, sondern passend. Werker-Auszubildende sollen das, was für ihren späteren Einsatz entscheidend ist, wirklich beherrschen – und zwar vor allem in der Praxis.
Wie läuft eine Werker-Ausbildung typischerweise ab?
In vielen Regionen wird die Werker-Ausbildung über einen Bildungsträger organisiert – zum Beispiel Einrichtungen wie die Stiftung Bethel, Berufsbildungswerke oder vergleichbare Träger. Das Modell ist meist integrativ aufgebaut.
Typisch sieht das so aus:
Die Auszubildenden sind beim Bildungsträger angestellt. Dort arbeiten sie auf eigenen Baustellen oder Übungsflächen und besuchen die Berufsschule mit reduziertem Stoff. Zusätzlich verbringen sie einen festgelegten Anteil der Ausbildungszeit – häufig sind es insgesamt rund 52 Wochen in drei Jahren – in betrieblichen Ausbildungsphasen bei GaLaBau-Betrieben.
Diese betrieblichen Phasen sind für dich als Betrieb der spannende Teil: In diesen Wochen ist der oder die Auszubildende ganz normal mit deinem Team unterwegs, fährt mit zur Baustelle, packt mit an und lernt deinen Betrieb kennen. Organisiert und begleitet wird das Ganze vom Bildungsträger – du hast also fachliche Unterstützung im Rücken.
Was können Werker-Auszubildende auf der Baustelle wirklich?
Vielleicht fragst du dich: „Sind das am Ende nicht doch nur Praktikantinnen und Praktikanten?“ Die klare Antwort: nein. Werker-Auszubildende haben zu dem Zeitpunkt, an dem sie in deinen Betrieb kommen, bereits einiges hinter sich.
Sie haben schon mehrere Monate oder länger auf Baustellen des Bildungsträgers gearbeitet. Das bedeutet: Grundhandgriffe sitzen, Abläufe sind bekannt, einfache Maschinen sind eingeführt. Sie wissen, wie eine Schubkarre voll gemacht wird, ohne dabei den halben Weg zu verlieren. Sie können Pflastersteine anreichen, gerade Schnüre spannen, beim Pflastern mitarbeiten, beim Hecken- oder Strauchschnitt sinnvoll unterstützen und nach Anleitung auch selbst schneiden.
Natürlich sind sie keine fertigen Vorarbeiter. Aber sie sind deutlich weiter als ein zweiwöchiger Schulpraktikant, der zum ersten Mal Sicherheitsschuhe trägt. Und genau darin liegt die Chance: Du bekommst jemanden, der im Alltag wirklich mitläuft, ohne dass du bei null anfängst.
Konkreter Nutzen für deinen Betrieb: Wo Werker richtig stark sind
Schauen wir auf deinen Alltag als GaLaBau-Betrieb: Was bringt dir eine Werker-Ausbildung ganz praktisch?
1. Entlastung bei einfachen, aber zeitfressenden Arbeiten
Auf jeder Baustelle gibt es Aufgaben, die du nicht dauerhaft mit deiner teuersten Fachkraft besetzen willst: Material holen, Steine anreichen, Beton mischen, Schubkarren fahren, Beete vorbereiten. Genau hier können Werker-Auszubildende schnell Verantwortung übernehmen und dein Kernteam entlasten.
2. Bessere Übergabe von Routineaufgaben
Viele Fachkräfte machen jahrelang alles selbst, weil „der Azubi das noch nicht kann“. Werker-Auszubildende werden über den Bildungsträger gezielt an Maschinen und grundlegende Tätigkeiten herangeführt. Wenn sie zu dir kommen, kannst du Routineaufgaben leichter übergeben, ohne jedes Mal bei null anfangen zu müssen.
3. Realistische Erprobung statt Bewerbung „auf dem Papier“
Eine Mappe mit Zeugnissen sagt dir nur begrenzt, ob jemand zu dir passt. Über betriebliche Ausbildungsphasen lernst du die Person im Alltag kennen: Kommt sie pünktlich? Hält sie durch, auch wenn es regnet? Wie geht sie mit Kunden um? Das ist viel mehr wert als ein formelles Bewerbungsgespräch.
4. Perspektive für spätere Übernahme
Wenn die Zusammenarbeit passt, kannst du aus einer betrieblichen Ausbildungsphase mittelfristig eine feste Anstellung machen – entweder direkt nach der Werker-Ausbildung oder nach einer anschließenden verkürzten Vollausbildung. Du holst dir jemanden ins Team, den du schon kennst und den du mit aufgebaut hast.
Was du als Betrieb mitbringen solltest
Damit Werker-Auszubildende bei dir wirklich eine Chance haben, brauchst du keine eigene pädagogische Abteilung. Aber ein paar Punkte sollten passen.
Du solltest bereit sein, Zeit in Anleitung zu investieren. Werker-Auszubildende brauchen klare Ansagen, wiederkehrende Abläufe und jemanden, der auch mal erklärt, warum etwas so und nicht anders gemacht wird. Gleichzeitig profitierst du davon, dass der Bildungsträger die Jugendlichen sozialpädagogisch begleitet – du bist damit nicht allein.
Hilfreich ist eine offene Haltung im Team. Wenn deine Vorarbeiterinnen und Vorarbeiter wissen, dass eine Person „über Werker-Ausbildung“ kommt, ist es wichtig, nicht von vornherein in Schubladen zu denken. In der Praxis zeigen sich oft Talente, mit denen vorher niemand gerechnet hätte – besonders bei Menschen, die im Schulsystem eher untergegangen sind.
Organisatorisch brauchst du die Bereitschaft, mit dem Bildungsträger zusammenzuarbeiten: kurze Abstimmungen, Feedback nach den Einsatzphasen, vielleicht ein Zwischengespräch. Der Aufwand hält sich in Grenzen, kann aber langfristig sehr lohnend sein.
Werker-Ausbildung: kein Wundermittel, aber ein ehrlicher Baustein
Werker-Ausbildungen lösen nicht „den Fachkräftemangel“. Sie sind kein Wundermittel, das über Nacht aus jedem Betrieb ein perfekt besetztes Unternehmen macht. Aber sie können für dich ein sehr ehrlicher, praxisnaher Baustein sein, um dein Team zu verstärken und jungen Menschen eine faire Chance zu geben.
Du bekommst motivierte, praxisorientierte Leute, die sich Schritt für Schritt in deinen Alltag einarbeiten. Du kannst ohne großes Risiko ausprobieren, ob jemand zu dir passt. Und du leistest nebenbei einen Beitrag dazu, dass Menschen, die es in der Schule schwer hatten, über ihre Stärken ins Berufsleben finden – nicht über ihre Defizite.
Wenn du das nächste Mal merkst, dass dir eine Person auf der Baustelle fehlt, könnte der Blick in Richtung Werker-Ausbildung ein konkret nutzbarer Weg sein. Nicht als großes Projekt, sondern als ganz praktische Unterstützung für deinen nächsten Auftrag.
Der Gast

Sebastian Meyer
Sebastian Meyer ist gelernter Garten- und Landschaftsbauer. Nach mehreren Jahren in der Industrie, arbeitet er heute bei der Stiftung Bethel in der überbetrieblichen Ausbildung. Dort begleitet er angehende Garten- und Landschaftsbauerinnen und -bauer, teilt Praxiswissen aus erster Hand und zeigt, wie auch über Umwege eine beständige und erfolgreiche Laufbahn im GaLaBau entstehen kann.
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