
Werker-Ausbildung im GaLaBau:
Praxis statt Prüfungsdruck
In dieser Folge „Angemischt – der Podcast für alle Macher im GaLaBau“ spricht Kevin mit Sebastian Meyer darüber, wie junge Menschen mit Lernschwierigkeiten ihren Platz im Garten- und Landschaftsbau finden – und wie Betriebe davon profitieren. Sebastian ist gelernter Landschaftsgärtner, Meister und Techniker, war in der Industrie tätig und arbeitet heute bei der Stiftung Bethel in der überbetrieblichen Ausbildung. Sein Schwerpunkt: die theoriereduzierte Werker-Ausbildung im GaLaBau.Viele seiner Auszubildenden haben ADHS, Autismus, Lernschwächen oder schwierige Schul- und Familienbiografien. Sie wollen arbeiten, sind praktisch stark, scheitern aber oft an der Berufsschule. Genau hier setzt die Werker-Ausbildung an.
Vollausbildung vs. Werker-Ausbildung: Was ist anders?
Kevin fragt früh, worin sich Werker- und Vollausbildung unterscheiden. Sebastians Antwort: Auf der Baustelle kaum. Die Auszubildenden pflastern, betonieren, bauen Terrassen, pflegen Gärten, schneiden Hecken und bedienen Maschinen – wie angehende Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner in der Regelausbildung.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Theorie. In der Werker-Ausbildung wird der Stoff reduziert und konsequent auf das konzentriert, was im GaLaBau wirklich gebraucht wird. Mathe richtet sich an Flächen, Mengen und typische Baustellenaufgaben aus, statt an abstrakten Beispielen. Bei Pflanzen geht es um eine kleinere, aber relevante Auswahl botanischer Namen. So bleibt die Praxis vollständig erhalten, während die Theorie auf ein leistbares Maß gebracht wird.
Sebastian betont, dass Werker-Ausbildung kein „Light-Beruf“ ist. Er berichtet von ehemaligen Werker-Auszubildenden, die sich im Betrieb bis zum Vorarbeiter entwickelt haben – vor allem im Pflege- und Privatgartenbereich. Wer will, kann anschließend eine verkürzte Vollausbildung machen und später auch Meister oder Techniker werden.
So funktioniert die integrative Ausbildung bei Bethel
Bethel bietet die Ausbildung überwiegend integrativ an. Die Auszubildenden sind die meiste Zeit beim Bildungsträger, arbeiten dort auf realen Baustellen – etwa auf Schulhöfen und Außenanlagen – und besuchen an zwei Tagen pro Woche die Berufsschule mit angepasstem Stoff.
Ein zentrales Element sind die betrieblichen Ausbildungsphasen. Die Landwirtschaftskammer schreibt vor, dass die Auszubildenden in drei Jahren mindestens 52 Wochen in Betrieben verbringen. Sebastian plant dafür grobe Jahrespläne, die Jugendlichen organisieren vieles selbst, indem sie Betriebe anrufen, Termine abstimmen und Verträge einsammeln. Das gehört bewusst zur Verselbstständigung.
Für Betriebe ist das attraktiv: Sie bekommen zeitweise eine zusätzliche Person auf der Baustelle, die bereits Maschinenkenntnis und Grundtechniken mitbringt – ohne Lohnkosten. Viele melden sich inzwischen aktiv bei Sebastian und fragen, ob ein Auszubildender noch einmal kommen kann, weil sie die Unterstützung als echte Entlastung erleben.
Wie Jugendliche in die Werker-Ausbildung kommen
Der Einstieg läuft meist über die Agentur für Arbeit. Berufsberaterinnen und Reha-Berater schauen zusammen mit Schulen und Eltern, welche Ausbildungsform passt. Wenn klar wird, dass eine reguläre Ausbildung mit vollem Theorieumfang kaum zu schaffen ist, kann ein Gutachten zur Leistungsfähigkeit erstellt werden. Auf dieser Basis wird entschieden, ob eine theoriereduzierte Ausbildung bei einem Bildungsträger wie Bethel möglich ist.
Viele Jugendliche lernen Bethel vorher über Schulpraktika oder berufsvorbereitende Maßnahmen kennen. Sie probieren unterschiedliche Bereiche aus und landen beim GaLaBau, weil ihnen das Arbeiten draußen, die Vielfalt und das Gestalten von Gärten liegt. Sebastian beschreibt auch, wie stark die Nachwirkungen der Corona-Zeit spürbar sind: Distanzunterricht, fehlende Unterstützung zu Hause oder Cybermobbing haben viele im Schulsystem ausgebremst. Die Werker-Ausbildung gibt ihnen eine neue, praxisnahe Chance.
Verantwortung wachsen lassen – vom Helfer zur festen Größe
Zum Schluss erzählt Sebastian von seinen eigenen ersten Baustellen nach der Ausbildung: einer kleinen Terrasse nahe des Betriebs, eng begleitet vom Chef, und einem größeren Friedhofsparkplatz mit Bepflanzung, auf dem er schon deutlich eigenständiger arbeiten musste. Dieses schrittweise Wachsen in Verantwortung war für ihn prägend – und genau das möchte er heute seinen Auszubildenden ermöglichen.
Deshalb legt er viel Wert darauf, dass sie nicht nur Material hinterhertragen, sondern Maschinen sicher bedienen, schneiden, pflastern, mischen und verdichten lernen. Sie sollen erleben, dass sie etwas können und gebraucht werden – und darauf aufbauend ihren eigenen Weg im GaLaBau gehen.
Der Gast

Sebastian Meyer
Sebastian Meyer ist gelernter Garten- und Landschaftsbauer. Nach mehreren Jahren in der Industrie, arbeitet er heute bei der Stiftung Bethel in der überbetrieblichen Ausbildung. Dort begleitet er angehende Garten- und Landschaftsbauerinnen und -bauer, teilt Praxiswissen aus erster Hand und zeigt, wie auch über Umwege eine beständige und erfolgreiche Laufbahn im GaLaBau entstehen kann.
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